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Deine Stellenanzeige bringt nichts: Was funktioniert stattdessen?

Warum Stellenportal und Aufkleber so wenig bringen, eine Checkliste für deine Anzeige und was Betriebe stattdessen gemacht haben.

Noah SeelauNoah Seelau · Gründer, seit 2019 nur HandwerkAktualisiert 29.09.20267 Min. Lesezeit
Kurz gesagt

Eine Stellenanzeige im Portal sehen nur Leute, die gerade aktiv suchen, und davon gibt es im Handwerk wenige. Besser läuft es, wenn deine Stelle zu den Leuten kommt: als Anzeige auf Instagram und Facebook im Umkreis, mit Fotos aus dem Betrieb und einer Bewerbung ohne Anschreiben. Die Stelle auf deiner Homepage brauchst du trotzdem.

59 von 115
Handwerksberufen hatten 2025 einen Engpass an Fachkräften.Quelle: KOFA / IW Köln 2026
1.600€
für Anzeigen auf mehreren Portalen, zurück kam eine einzige Bewerbung, die nicht passte.Quelle: Gesprächsnotiz, Einzelfall
25Bewerbungen
in vier Wochen bei Erwin Schmidt & Sohn, Stelle besetzt. Ein Einzelfall, kein Versprechen.Quelle: Fallstudie, Einzelfall

Warum meldet sich auf deine Stellenanzeige keiner?

Weil eine Anzeige im Stellenportal nur Leute erreicht, die gerade aktiv suchen, und davon gibt es im Handwerk zu wenige. Laut KOFA am Institut der deutschen Wirtschaft fehlten 2025 in 59 von 115 Handwerksberufen Fachkräfte. Die guten Gesellen sind in Arbeit und schauen gar nicht in das Portal, in dem deine Anzeige steht.

Viele Betriebe merken das erst nach mehreren Versuchen. Ein Inhaber erzählte uns, er habe Anzeigen auf mehreren Portalen geschaltet und rund 1.600 € ausgegeben. Zurück kam eine Bewerbung, und die passte nicht.

Am Text zu feilen hilft deshalb nur begrenzt. Auch die beste Anzeige bringt wenig, wenn sie an einem Ort steht, an dem dein künftiger Monteur nie vorbeikommt. In 68 von 324 Erstgesprächen, die wir 2026 ausgewertet haben, kam der Inhaber von selbst auf die Personalsuche zu sprechen.

250.000
offene Stellen im Handwerk schätzt der Zentralverband des Deutschen Handwerks.Quelle: ZDH 2026
68 von 324
Erstgesprächen, in denen der Inhaber selbst die Suche nach Personal anspricht.Quelle: Eigene Auswertung, 324 Erstgespräche 2026

Welche Wege probieren Betriebe, und was bringen sie?

Häufig probieren Betriebe vier Wege, bevor sie über Anzeigen im Umkreis nachdenken: das Portal, den Aufkleber, die eigene Homepage und das Abwarten. Alle vier erreichen fast nur Leute, die schon suchen oder deinen Betrieb kennen. Wer zufrieden bei einem anderen Betrieb arbeitet, sieht davon nichts.

Deine eigenen Leute sind ein weiterer Weg, und er kostet nichts. Frag regelmäßig, wen sie kennen. Manche Betriebe zahlen eine Prämie, wenn ein geworbener Kollege die Probezeit übersteht. Ob das zu dir passt, entscheidest du, aber sag deinen Leuten überhaupt erst einmal, dass du suchst. Für die Stellen, die so nicht zu besetzen sind, braucht es Reichweite über deinen Bekanntenkreis hinaus.

Die üblichen Wege im Vergleich
WegWer ihn siehtWas fehlt
StellenportalWer gerade aktiv eine Stelle suchtDie Guten, die in Arbeit sind
Aufkleber am FirmenwagenWer an der Ampel hinter dir stehtEin Grund, gerade jetzt zu wechseln
Stelle auf der eigenen HomepageWer deinen Betrieb schon kenntReichweite über deine Kunden hinaus
Abwarten, bis einer fragtDer ZufallEr kommt selten in dem Monat, in dem einer gekündigt hat
Anzeige auf Instagram und Facebook im UmkreisAuch Monteure, die gar nicht suchenWerbebudget und ein schneller Rückruf von dir

„Kam kaum was zurück.“

Florian Schmidt, Erwin Schmidt & Sohn, über Aufkleber und die Stelle auf der eigenen Homepage

Was muss in eine Stellenanzeige fürs Handwerk?

Eine gute Stellenanzeige nennt Beruf und Ort in der Überschrift, zeigt deinen Betrieb und lässt sich am Handy in zwei Minuten beantworten. Prüf deine aktuelle Anzeige mit diesen Punkten, egal ob sie im Portal steht oder als Werbung läuft.

  1. Überschrift: Beruf und Ort, zum Beispiel „Zimmerer in Weilheim“. Kein „Verstärkung gesucht“.
  2. Erster Satz: was bei dir anders ist. Nur was stimmt, etwa ein eigenes Fahrzeug oder kurze Wege zu den Baustellen.
  3. Bilder: dein Team und deine Halle. Ein Stockfoto mit weißem Helm glaubt dir keiner.
  4. Ansprechpartner: Name und Handynummer, am besten deine.
  5. Bewerbung: ohne Anschreiben und ohne Lebenslauf. Vier Fragen reichen: Wohnort, Führerschein, Erfahrung und ab wann er wechseln kann.
  6. Handy-Test: Öffne die Anzeige selbst am Handy und bewirb dich einmal. Dauert das länger als zwei Minuten, ist es zu lang.
  7. Rückruf: Leg fest, wer Bewerber am selben oder am nächsten Werktag anruft.

Die Anzeige in der Jobsuche der Bundesagentur für Arbeit kostet dich nichts. Stell sie ein, wenn sie noch fehlt, aber erwarte davon keine Wunder. Bei kostenpflichtigen Portalen lohnt sich ein Blick darauf, wie viele passende Bewerbungen die letzte Anzeige tatsächlich gebracht hat, bevor du verlängerst.

Wie du an brauchbare Bilder kommst, ohne selbst zu fotografieren, steht im Artikel Fotograf für Handwerker.

Braucht deine Homepage eine Karriereseite?

Ja, denn wer sich bewirbt, schaut sich deinen Betrieb vorher im Netz an. Die Karriereseite findet selbst keine Leute. Sie entscheidet aber mit, ob einer, der deine Anzeige gesehen hat, sich am Ende meldet. Laut Bitkom haben 94 Prozent der Handwerksbetriebe eine eigene Website, der Bewerber kann also vergleichen.

Auf die Karriereseite gehört, was in die Anzeige nicht passt, etwa wie ein Tag bei euch aussieht und wer im Team ist. Am Handy muss sie mit zwei Klicks von der Startseite zu finden sein. Eine Seite, die seit Jahren niemand angefasst hat, fällt einem jungen Monteur sofort auf.

Ist deine Homepage so alt, dass du sie Bewerbern ungern zeigst, lies Homepage veraltet: neu machen oder Baukasten?

94%
der Handwerksbetriebe haben eine eigene Website. Bewerber können also vergleichen.Quelle: Bitkom 2025

„Die jungen Leute schauen, bevor sie mit irgendjemandem reden, schneller ins Internet. Und das ist jetzt vielleicht bei meiner Seite nicht so ansprechend.“

Inhaber, Zimmerei, Oberbayern

Wie merkst du, ob deine Stellenanzeige etwas bringt?

Du merkst es nur, wenn du je Weg zählst, wie viele passende Bewerbungen kommen und was jede gekostet hat. Die meisten Betriebe wissen, was die Anzeige kostet, aber nicht, was dabei herauskommt. Dafür reicht ein Zettel oder eine einfache Tabelle.

  1. Frag jeden Bewerber am Telefon, wo er die Stelle gesehen hat.
  2. Schreib je Weg auf, wie viele Bewerbungen kamen und wie viele davon du zurückrufen würdest.
  3. Notier, wer zum Probearbeiten kam und wer am Ende angefangen hat.
  4. Teil die Kosten jedes Wegs durch die passenden Bewerber.

Nach drei Monaten siehst du schwarz auf weiß, welcher Weg dir Leute bringt und welcher nur Geld kostet. Das ist die Grundlage, um eine Anzeige zu kündigen oder mehr Budget in einen Weg zu stecken, der läuft.

Was hat bei Betrieben funktioniert, bei denen die Anzeige nichts brachte?

Funktioniert hat, die Stelle als Anzeige im Umkreis dorthin zu bringen, wo Monteure abends ohnehin am Handy sind. Erwin Schmidt & Sohn in Sindelfingen hatte es vorher mit QR-Aufklebern auf den Firmenwagen und der Stelle auf der eigenen Homepage versucht. Nach vier Wochen Anzeigen auf Instagram und Facebook, mit Fotos aus dem Betrieb und Filterfragen, lagen 25 Bewerbungen vor. Die Stelle als Anlagenmechaniker im Kundendienst ist besetzt.

Das ist ein Einzelfall. Bei einem Heizungs- und Sanitärbetrieb westlich von München kamen auf dieselbe Art 35 Bewerbungen, 16 davon mit Berufserfahrung. Wie viele es bei dir werden, hängt vom Beruf und vom Umkreis ab.

Den ganzen Weg beschreibt der Artikel Gesellen und Monteure finden. Was das kostet, steht unter Kosten der Mitarbeitergewinnung, und was wir übernehmen, auf der Seite Mitarbeitergewinnung.

35Bewerbungen
bei einem Heizungsbetrieb westlich von München, 16 davon mit Berufserfahrung. Einzelfall.Quelle: Fallstudie, Einzelfall
Noah Seelau

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Häufige Fragen

Soll ich meine Anzeige im Stellenportal kündigen?

Nur, wenn sie nachweislich nichts bringt. Zähl drei Monate lang, wie viele passende Bewerbungen darüber kommen, und teil die Kosten durch diese Zahl. Dann siehst du, was dich dort ein passender Bewerber kostet.

Hilft es, die Stellenanzeige umzuschreiben?

Ein wenig. Beruf und Ort in der Überschrift, eigene Bilder und eine Bewerbung ohne Anschreiben machen jede Anzeige besser. Steht sie an einem Ort, an dem dein künftiger Monteur nicht vorbeikommt, ändert aber auch der beste Text wenig.

Bringt ein Aufkleber auf dem Firmenwagen Bewerber?

Selten. Ihn liest vor allem, wer an der Ampel hinter dir steht, und der sucht meist gerade keine Stelle. Als Ergänzung schadet er nicht, als einziger Weg reicht er nicht.

Warum soll die Bewerbung ohne Anschreiben gehen?

Ein Monteur bewirbt sich abends am Handy, ein Anschreiben tippt er dort nicht. Vier Fragen zu Wohnort, Führerschein, Erfahrung und Wechseltermin reichen, um zu sehen, ob sich ein Anruf lohnt. Den Rest klärst du im Gespräch.

Wo soll die offene Stelle auf meiner Homepage stehen?

Unter einem eigenen Punkt im Menü, etwa „Jobs“, und zusätzlich einmal gut sichtbar auf der Startseite. Am Handy muss sie mit zwei Klicks zu finden sein. Häng dort dieselbe kurze Bewerbung an wie an die Anzeige, damit sich niemand durch ein Formular mit zehn Feldern kämpfen muss.

Wie schnell sollte ich mich bei einem Bewerber melden?

Am selben oder am nächsten Werktag. Wer gerade einen Job hat, bewirbt sich aus einem Moment heraus. Liegt die Bewerbung eine Woche, ist dieser Moment meist vorbei.

Quellen

  1. KOFA / Institut der deutschen Wirtschaft: Fachkräftesicherung im Handwerk (KOFA Kompakt 7/2026), 2026 · Zur Quelle
  2. Zentralverband des Deutschen Handwerks: Fachkräftesicherung, 2026 · Zur Quelle
  3. Bitkom: Digitalisierung des Handwerks 2025 (504 Betriebe, telefonische Befragung), 2025 · Studie als PDF
  4. HandwerksManufaktur: eigene Auswertung von 324 Erstgesprächen mit Handwerksbetrieben, 2026
  5. HandwerksManufaktur: Fallstudie Erwin Schmidt & Sohn und weitere Kampagnen, 2026 · Zur Seite
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